Wie hilft die Psychoonkologie?
Die Psychoonkologie hilft, indem sie Krebspatientinnen, Patienten und Angehörige dabei unterstützt, die emotionalen und sozialen Belastungen der Erkrankung zu bewältigen – von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge. Sie verbessert nachweislich die Lebensqualität, reduziert Angst und Depression und stärkt die Selbstheilungskräfte. In der Praxis bedeutet das: Betroffene lernen, mit dem Diagnoseschock umzugehen, Ängste zu bewältigen und neue Orientierung zu finden. Die Begleitung richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen des Menschen – sie ist keine standardisierte Therapie, sondern eine supportive Intervention, die an die persönliche Situation angepasst wird.
Wo hilft die Psychoonkologie dem Klienten?
In vielen Fällen ist es hilfreich, eine psychoonkologische Beratung anzunehmen, um die bei der Krankheit anfallenden Probleme besser bewältigen zu können. Die wichtigste Aufgabe der Psychoonkologie ist die Unterstützung des Menschen bei konkreten seelischen Problemen der Krebserkrankung. Die psychoonkologische Betreuung richtet sich daher immer nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Hilfe suchenden Menschen – in allen Phasen:
- Prävention: Stärkung der psychischen Widerstandskraft vor und während der Behandlung.
- Früherkennung: Erkennen von emotionalen Belastungen, bevor sie chronisch werden.
- Diagnose: Unterstützung beim Umgang mit dem Diagnoseschock.
- Behandlung: Begleitung während Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie.
- Rehabilitation: Hilfe bei der Rückkehr in den Alltag und ins Berufsleben.
- Nachsorge: Langfristige Begleitung, um Ängste vor einem Rückfall zu bewältigen.
- Integration in den Alltag: Unterstützung bei der Neuorientierung nach der Akutbehandlung.
- Palliation: Begleitung in der palliativen Phase – für Betroffene und Angehörige.
Der Mensch ist eine Einheit
Grundannahme des Psychoanalytikers Lawrence LeShan: Gesundheit und Heilung finden auf allen Ebenen statt – körperlich, geistig und seelisch. Diese drei Ebenen sind gleichwertig und müssen gleichermaßen beachtet und gepflegt werden. Die Psychoonkologie arbeitet daher nicht nur mit Gesprächen, sondern auch mit Entspannungstechniken, Imagination und anderen Methoden, die alle Ebenen ansprechen.
Jeder Mensch ist einzigartig
Standardisierte Behandlungsmethoden allein können nicht immer erfolgreich sein. Jeder Patient darf an allen Entscheidungen, die ihn betreffen, beteiligt sein. Das Einhalten der drei Grundannahmen aktiviert die Selbstheilungskräfte und die Fähigkeiten, die nötig sind, um eine medizinische Behandlung zu unterstützen.
- Aktiv an der Heilung mitwirken
- Nicht erdulden müssen macht einen großen Unterschied
- LeShan fand heraus, dass vor allem die Menschen krank wurden, die ihre persönliche Rolle im Leben nicht gefunden haben, die vergeblich auf der Suche nach einem Lebenssinn waren
- Konzept des Bernie Siegel „Der außergewöhnliche Patient“
- Patienten, die ihre statistischen Diagnosen weit überlebten
- Nach Siegel zeichnen sich diese Patienten dadurch aus, dass sie sich weigern, Opfer zu sein
Nach Carl O. Simonton (Radiologe und Onkologe)
Es ist eine Tatsache, dass die aktive Mitwirkung der Patienten an der Stärkung ihrer seelischen und körperlichen Abwehrkräfte die Genesung und Gesunderhaltung fördern kann. Das Konzept von Carl O. Simonton: Überprüfe und verändere deine Überzeugungen, Einstellungen und deine Gefühle, denn sie beeinflussen deine Gesundheit.
„Niemand ist so einsam wie ein Mensch in dem Augenblick, in dem er die Diagnose Krebs erfährt." Dieses Zitat von Prof. Erwin Ringel, dem Vater der Psychoonkologie, muss durch die Realität unseres Gesundheitssystems und die Realität unserer Gesellschaft mit ihrer Tabuisierung der Krebserkrankung wohl erweitert werden: Ein Mensch ist, vor allem nachdem die ersten therapeutischen Schritte unternommen wurden, wenn er sich in der Nachsorge oder in palliativer Behandlung befindet, oft ziemlich allein.